Moritz, seit zehn Jahren bietet ihr bei der Lettretage im Rahmen des schreiben&leben-Beratungsprogramms kostenlose Einzelberatungen zu allen Themen rund um die literarische Freiberuflichkeit an. Wie viele Autor:innen habt ihr in dieser Zeit beraten?
Es müssten mittlerweile so um die 5000 Beratungsgespräche zusammengekommen sein. Pro Jahr sind's immer so zwischen 450 und 500. Wir könnten aber auch locker das Doppelte schaffen, wenn wir das Geld dafür hätten. Die Nachfrage ist auf jeden Fall immens.
Was waren in den vergangenen 12 Monaten die häufigste Frage – und wie habt ihr sie beantwortet?
Der Dauerbrenner lautet: Was muss ich machen, um in eine gute Agentur oder einen guten Verlag zu kommen? Dafür könnten wir jeden Tag eine Beratung anbieten. Aber diese Frage greift natürlich zu kurz. Es gibt zwar kleine Stellschrauben bei der Selbstpräsentation und Kontaktaufnahme, aber in allererster Linie muss ich natürlich ein Manuskript schreiben, dass die Agentin oder den Verlagslektor interessiert.
Wie schaffe ich das? Nicht zuletzt indem ich mir möglichst gute, professionelle Arbeitsbedingungen schaffe, und auch da können wir ein bisschen beraten. Und natürlich sind heutzutage für die Verlage und Agenturen die eigenen Marketingaktivitäten auch relevant. Mit 100.000 Followern findet man sicher leichter einen Verlag.
Wie geht es mit den Einzelberatungen in diesem Jahr weiter?
Sie erfreuen sich stetig wachsender Beliebtheit. Die Kehrseite ist, dass Beratungen oftmals schnell ausgebucht sind und lange Wartelisten entstehen. Leider sind unsere finanziellen und zeitlichen Kapazitäten limitiert, so dass wir die Zahl der Einzelberatungen nicht unbegrenzt steigern können.
Um in Zukunft wieder möglichst allen, die es brauchen, ein Angebot machen zu können, findet künftig jeweils in der ersten Woche des Monats eine offene Gruppenberatung vor Ort in unserem Beratungsraum in Berlin-Schöneberg statt. Hier können viele typische Fragen zu berufsrelevanten Themen bereits geklärt werden, so dass ihr ab jetzt dafür nicht mehr ewig auf einen Einzelberatungstermin warten müsst. Sehr spezifische Fragen können dann weiterhin in den Einzelberatungen geklärt werden, für die man sich auch direkt unter Beratungsangebot anmelden kann.
Auch der von euch gegründete und organisierte Branchentreff Literatur geht bereits in die zehnte Runde. An wen richtet sich dieser und wie kann man dabei sein?
Der Branchentreff Literatur erfreut sich großer Beliebtheit bei den Teilnehmer*innen. Zielgruppe sind alle freiberuflich Literaturschaffenden, also Autor*innen, Übersetzer*innen, Lektor*innen, Literaturveranstalter*innen. Dieses Jahr findet er vom 7. bis 9. Mai im Neuköllner "Refugio" statt. Als Motto haben wir uns diesmal ausgedacht: "Hinter den Kulissen - Die Geheimnisse unserer Branche".
Das Motto ist natürlich ein bisschen ironisch und spielt damit, dass viele Autor*innen die Verlagsbranche, von der sie für Veröffentlichungen ja ein Stück weit abhängig sind, und ihre Arbeitsweise nicht besonders gut kennen. Dann wird da schon mal vermutet, dass alle korrupt sind, dass man nur die richtigen Leute kennen muss und so weiter. Dass für Verlage, die ja Bücher verkaufen müssen, um zu überleben, auch andere Kriterien wichtig sind als die heere Kunst, ist nicht für alle direkt einsichtig. Dabei ist die Verlagsbranche doch "unsere" Branche, und die Verlage stehen meistens doch auf der gleichen Seite wie wir.
Besonders freue ich mich auch auf den Workshop "Das virtuelle 3D-Buch – neue Formen des Lesens" in Kooperation mit dem Projekt IUNO der HTW. Dort geht's um die Möglichkeiten, die neue Technologien wie VR oder KI für Autor*innen bieten.
Bewährte Standard-Formate des Branchentreffs finden natürlich auch wieder ihren Platz: Das Speedmatching mit Verlagen und Agenturen, das Branchentreff-Barcamp und, in Kooperation mit dem VFLL, die sogenannten Quick-Lektorate, bei denen man in 15 Minuten kostenlos das Feedback eine*r erfahrenen Lektor*in zu einem kurzen Text erhält.
Zusätzlich findet künftig Anfang November – zum ersten Mal am 6. und 7. November 2026 – die Winter School statt, ein zweitägiges Event mit längeren Workshops, um mal tiefer in die Themen einsteigen zu können. Bei der Winter School werden Digitalität, KI und andere Zukunftsthemen, auf die sich literarische Freiberufler*innen immer wieder neu einstellen müssen, in aller Tiefe behandelt, was auf dem Branchentreff bisher nicht möglich war. Literarische Freiberufler*innen gehen so mit frischer Inspiration und neu erworbenem, profundem Wissen in die dunkle Jahreszeit.
Wir glauben, dass beide Formate einander bestens ergänzen werden.
Das Beste ist: Alle Veranstaltungen sind kostenlos. Am besten, ihr abonniert unseren Projektnewsletter unter Newsletter, um rechtzeitig zu erfahren, wann die Anmeldung öffnet.
Wie kann man von eurer Expertise profizieren, wenn man nicht vor Ort in Berlin an einer Beratung oder Veranstaltung teilnehmen kann?
Nun ja, aufgrund der Vorgaben unserer Geldgeber richten wir uns tatsächlich primär an Berliner Literaturschaffende. Aber natürlich profitieren auch die Berliner Autor*innen vom Austausch mit Leuten von außerhalb. Zum Branchentreff Literatur sind selbstverständlich auch Teilnehmende von außerhalb Berlins willkommen.
Und es gibt ein paar digitale Angebote, die auch für Nicht-Berliner*innen offen stehen: Da ist zum einen der neue schreiben&leben-Podcast, den wir planen. Der ist etwa ab Mitte/Ende dieses Jahres auf allen gängigen Plattformen zu finden. Darin wollen wir die gesammelte Expertise unserer Berater*innen und anderer erfolgreicher literarischer Freiberufler*innen in Form eines regelmäßigen Podcasts aufbereiten. Insbesondere auf häufige Fragen und Herausforderungen von Berufsanfänger*innen wollen wir in diesem Rahmen eingehen, um die ersten Jahre in den literarischen Berufen zu erleichtern.
Für die Zukunft planen wir aber auch Webinare, die offen für alle externen Teilnehmer*innen sind. Jetzt schon lohnt es sich, unseren Newsletter zu abonnieren, in dem wir nicht nur eigene Angebote bewerben, sondern umfassend über relevante Ausschreibungen, Stipendien, Weiterbildungen und ähnliches informieren.
